Cheater-Reha: Irrglaube und Aufklärung
Auf Cheaten steht in der Electronic Sports League die schwerste Strafe, eine Sperre über zwei Jahre. Im schnelllebigen Online-Gaming kommt dies einer lebenslangen Strafe gleich. Doch reuigen Sündern bietet die ESL mit der sogenannten Cheater-Rehabilitation eine zweite Chance. Allerdings kursieren über diese zahlreiche Gerüchte. Um diese Fehlinformationen aus der Welt zu räumen, liefern wir Euch mit dieser News einige Hintergründe und Fakten.
Cheater werden noch viel zu schwach bestraft!
Cheating ist im Online Gaming das schlimmste Verbrechen, das ein Spieler begehen kann. Es zerstört nicht nur den Spielspaß aller Beteiligten, im Kampf um Ligaplatzierungen ist es dazu grob unsportlich und im Preisgeldbereich sogar rechtlich relevant. Jedoch wäre es falsch anzunehmen, dass eine Verschärfung oder Verlängerung der Strafe eine größere Abschreckung und damit weniger Cheater zur Folge hätte. Wer eine Zwei-Jahres-Sperre riskiert, der würde auch cheaten, wenn es fünf, zehn oder 30 Jahre wären.

Cheater-Reha - Die kriegt doch jeder!?
Der größte und am weitesten verbreitete Irrglaube kursiert in Bezug auf die Möglichkeiten für Cheater mithilfe der Cheater-Reha mit einer kleineren Bestrafung ihre Haut zu retten - frei nach dem Motto "lol, ein paar Zeilen schreiben und weitercheaten".
Doch stattdessen steht hinter dem ESL-Cheater-Rehabilitierungsprogramm ein System, das nur denjenigen Spielern eine zweite Chance geben soll, die sich ihrer Tat bewusst sind und gute Chancen auf eine saubere Zukunft haben. Der oft zitierte Aufsatz, der zur Reha nötig ist, markiert inzwischen nur noch einen kleinen Teil in der gesamten Beurteilung des Spielers.

Ohne ins Detail gehen zu können, sind Dinge wie Umfeld, Reaktionen auf Strafpunkte in der Vergangenheit, Bereitschaft zur Zusammenarbeit und vieles mehr von Bedeutung. Das auf die Reha spezialisierte Adminsquad beurteilt jeden Antragsteller individuell, mit mehreren unabhängigen Meinungen. Dabei kann das spezialisierte Reha-Team inzwischen auch über einen großen Erfahrungsschatz verfügen. Der Aufsatz selber soll den Antragsteller zum Nachdenken anregen - er soll sich mit dem Thema auseinandersetzen, was in Zeiten von einzeiligen Postings und IRC Chats eine Herausforderung sein kann.
Der Mythos, es gäbe Vorlagen, mit denen man auf jeden Fall durchkommt, ist ebenfalls ein beliebtes Gerücht.


Reha - und dann?
Aber selbst wenn der verurteilte Cheater diese Hürde genommen hat und rehabilitiert wurde, so muss er die nächsten sechs Monate, in denen er außerdem noch als Ex-Cheater im Playersheet markiert ist, besondere, sehr strenge Auflagen erfüllen. Die Reha ist eine einmalige Angelegenheit - wird sie abgewiesen oder wegen einer Verletzung der Auflagen zurückgenommen, erhält der Spieler keine weitere Chance. Es gibt nur eine zweite Chance.

  • ESL Playercard Trusted Level 2 (bald 3)
  • Demo-Uploadpflicht für jedes Match. Das Uploaden muss ohne weitere Aufforderung erfolgen.
  • Keine schweren Regelverstöße innerhalb der nächsten sechs Monate. D.h. einmalige Vergehen wie das Nicht-Erscheinen zu einem Match oder ein vergessener Screenshot stellen noch keinen schweren Verstoß dar; sollten jedoch derartige Vergehen mehrmals vorkommen, ist auch dies ein Grund für eine Reha-Rücknahme. Bei schweren Vergehen wie einer vergessenen Demo verfällt die Reha sofort.
  • Keinerlei Verstöße gegen die Netiquette. Sollten Beleidigungsvorfälle oder ähnliches bekannt werden, führt auch dies zu einer Rücknahme der Rehabilitation.
  • In den CS und CSS Ladders gilt strikte Aequitas Pflicht, die Dateien müssen direkt nach dem Match hochgeladen werden.


All dies zusammengenommen hat sich das Reha-System der ESL bisher absolut bewährt. Am Besten lassen sich diese Bemühungen und Ansätze in Zahlen belegen. Berücksichtigt wurde der Zeitraum von Mai 2006 bis September 2006.

Insgesamte Anträge: 200
Davon abgelehnt: 154 (77%)
Davon angenommen: 46 (23%)
Zurückgenommene Rehabilitationen:   14 (30%)

Doch warum überhaupt der Aufwand? Wieso nicht kategorisch jeden Cheater dauerhaft sperren?
Vor allem aus zwei Gründen: Ohne es irgendwie schön zu reden oder zu verherrlichen, kann z.B. ein noch junger Spieler schlicht eine einmalige Dummheit zu Tage legen ohne die Konsequenzen oder Auswirkungen zu erahnen. Unwissenheit soll nicht vor Strafe schützen, aber ein Spieler, der vielleicht etwas unbedarft in die Online-Welt schlittert kann wirklich nicht mit einem langjährigem Hardcore-Cheater verglichen werden. Darum sollte manchen Spielern eine zweite Chance eingeräumt werden.

Der zweite Hauptgrund ist die Reduzierung von Fake-Accounts. Mit der ESL Playercard haben wir ein mächtiges Mittel gegen die Fakeaccounts und Neu-Anmeldungen, doch die meisten verurteilten Cheater versuchen dennoch den Weg eines neuen Accounts zu gehen. Geben wir einem ehrlichen Spieler, der zu seinem Fehler steht und seine Strafe absitzen will eine Chance, so ist dies immer besser, als wenn er quasi dazu verdammt ist sich eine neue virtuelle Identität anzulegen. Vor allem weil wir den größten Teil der Neuanmeldungen sowieso finden, erst Recht in Zeiten von Trust-Level 3.

Um es zusammenzufassen: Höhere Strafen bringen keine größere Abschreckung oder weniger Cheater. Die ESL Cheater-Reha ist kein Freifahrtsschein für Cheater oder Wiederholungstäter.

Die ESL ist sich ihrer Rolle bewusst, so ist und bleibt das Cheating eines der kritischsten Probleme einer Online Liga. Doch meistens ist der naheliegende Holzhammer nicht immer der beste Weg, eine genaue Auseinandersetzung mit der Problematik tut not. Und mit allen einzelnen Maßnahmen zusammengenommen, vom Strafpunktesystem über die ESL Playercard bis hin zu unserer eigenen Anti-Cheat-Software Aequitas, sind wir uns sicher auf dem richtigen Weg zu sein, für eine langfristig und dauerhaft saubere Liga.
Thefly, Monday, 04/09/06 18:15
 
comments (575)
 
 
  <<123...101112>>  
No comments yet.
  <<123...101112>>  
 
 
Information:
  • info write comment not allowed