BF3: Überzeugende Kampfansage an Call of Duty
Seit jeher geht die inszenatorische Auslegung von Videospielen in Richtung Hollywood. „Mittendrin statt nur dabei“ lautet die Devise. Diese Art der Präsentation trifft vor allem auf das Shooter-Genre zu, das geradezu prädestiniert dafür ist. Klar, dass DICE und Electronic Arts mit „Battlefield 3“ auf diesen Zug aufspringen und gegen die Activision-Konkurrenz „Modern Warfare 3“ ein ordentliches Pfund vorlegen.
Dieser Spieletest wird bereitgestellt von gamers.de, ein kompetentes und tagesaktuelles Magazin, das seit 1998 unabhängig und fachkundig, plattform- und genreübergreifend über das Thema Video- und Computerspiele berichtet.

Wer bin ich und was mache ich eigentlich hier?

Zug ist ein gutes Stichwort, denn so startet „Battlefield 3“. Auf einem durch einen düsteren Tunnel brausenden Wagon hocken wir, uns schießen die Eisenstangen haarscharf über unseren Kopf hinweg und unter uns hocken Terroristen. Sind es Terroristen? Wir wissen es nicht, zumindest sind uns die Herren alles andere als freundlich gesinnt. Bei Sichtkontakt eröffnen sie sofort das Feuer auf uns. Nachdem wir uns an der äußeren Kante ins Innere des vorderen Wagons gehangelt haben, werden uns die Lichter ausgeknipst. Zu Beginn werdet ihr also ins kalte Wasser geworfen und in Form eines Tutorials mit der Steuerung vertraut gemacht.

Was hier passiert hier? Wen haben wir hier gerade gespielt? Wer waren unsere Feinde in dieser kurzen Einstiegsszene? Darüber lässt uns das Spiel zunächst im Dunkeln. Wohl aus genau dem Grund, um den dramaturgischen Bogen zu spannen.



Terroristen in New York

Zeitsprung: Fünf Stunden zuvor. Das ominöse Projekt Operation Swordbreaker setzt die US-Regierung in helle Ausfuhr. Der Regierung wurde von einem Maulwurf gesteckt, dass ein Terrorkomplott einen Anschlag auf New York plane. Angeblich soll der inhaftiere Sergeant Blackburn näheres zu dem Attentat wissen. Der Gute kann sich aber an rein gar nichts mehr erinnern, weswegen ihm die CIA- im Verhörraum auf die Sprünge hilft. Er wird beschuldigt, in einem Iran-Einsatz irgendetwas mit einer ominösen Bombe zu tun gehabt zu haben. Auf jeden Fall erfahren wir, dass der Oberschurke Solomon und die iranische PLR Auslöser für den globalen Konflikt sind.

Und die Antwort auf die Frage, aus welchem Grund Blackburn im Kittchen sitzt, brennt einem als Spieler sowieso unter den Fingernägeln. Die Geschichte spielt in der Gegenwart, von wo aus ihr die Erinnerungen Blackburns in Form von Rückblenden nachspielt. Das erinnert entfernt an den Film „Identität“. Zusätzlich schlüpft ihr in die Rollen von drei weiteren Soldaten – darunter ein Panzergeneral und ein russischer Agent. Was sich festhalten lässt: „Battlefield 3“ zeigt sich in seiner Erzählstruktur deutlich klarer und damit mitreißender als Konkurrenten wie „Call of Duty: Modern Warfare 2“, wo die vielen Handlungssprünge für jede Menge Verwirrung sorgten.

Bekannte Kriegsformel

Krieg bedeutet schwere Waffen, enthusiastische Kommentare der Kameraden und sehenswerte Explosionen. All das hat „Battlefield 3“. Und zwar nicht nur in regelmäßigen Abständen, sondern am laufenden Band. Aus der Ego-Perspektive ballert ihr euch durch Waldgebiete, Wohnkomplexe und Siedlungen, stets mit dem Ziel, alle Feinde auszuschalten oder zu einem Konvoi vorzustoßen. Trotz dieser Konventionen wird es in „Battlefield 3“ nie langweilig, denn die Deckungssuche ist oberstes Gebot. Stets müsst ihr mit eurem Trupp zusammenarbeiten, ihnen Feuerschutz geben und euch behutsam durch feindliches Gebiet pirschen oder hinter Objekten die Gegner aufs Korn nehmen. Hier ist Taktik oberste Priorität – Freizeit-Rambos sehen kein Land und ihnen werden schnell die Lichter ausgeknipst. Zusätzlich sorgen kleine Gassen und enge Luftschächte für ein klaustrophobisches Gefühl. Hier spielt DICE mit der Akustik. Wassertropfen plätschern auf den Boden, Schreie vermeintlicher Feinde hallen durch die Korridore und Lichtlegel sowie Schatten in der Ferne sorgen für ein unbehagliches Gefühl.

Pilotengeschwader und Panzerkommander

Damit es im Krieg auch wirklich nicht öde wird, lockert die Jungs von DICE das Spielgeschehen mittels Fahrzeugmissionen auf. Mal schwingt ihr euch in einen Panzer, ein anderes Mal müsst ihr euch als Pilot in einem Kampflugzeug der US-Marine verdingen und aus luftigen Höhen feindliche Jets abschießen und Bodenpunkte mit Raketen treffen. Simpel, aber unterhaltsam.

Die Entwickler spielen dabei mit ihrer Frostbite Engine 2. Und ihnen macht es sichtlich Spaß, Gebäude einstürzen zu lassen und Fahrzeuge in die Luft zu sprengen. Das sieht nicht nur bombastisch aus, sondern ist auch überlebenswichtig. Barrikaden sind dank der Engine nur ein temporäres Versteck, denn jederzeit kann es passieren, dass die Deckung zerschossen wird. Auch wenn sich die Missionsziele hauptsächlich um das Vorrücken zu einem Trupp, das Säubern eines Wohnkomplexen oder Übernehmen eines Flag-Geschosses drehen, wird das 1A in Szene gesetzt. „Battlefield 3“ lässt sich in seiner inszenatorischen Leistung als ganz großes Kino beschreiben. Überall zappeln Kugeln durch die Luft, es explodieren Panzer und aus der Ferne fliegen euch Handgranaten entgegen. Das erzeugt in Verbindung mit der erdrückenden Akustik jede Menge Spannung und ist in Summe Adrenalin pur, wobei man die Boxen seiner Anlage gerne höher dreht. Das Kriegsflair wurde noch nie besser eingefangen.
Da ist es mehr als bedauerlich, dass die deutsche Synchronarbeit nicht so sauber wie erhofft ausfällt. Während die Gespräche im Verhörzimmer 1A vertont wurden, klingen die Marines bisweilen wie aufgewühlte Blagen auf einem Kindergartenausflug. Das liegt wohl auch daran, dass ihre Phrasen und pathetischen Schreie mehr als kindisch im Dialogbuch geschrieben wurden.

Schon zu Ende?

Das packende Kriegsfeeling wird durch die Authentizität untermauert. Waffen sehen ihren realen Vorbildern ähnlich, die Gegner agieren nachvollziehbar und überwiegend schlau und die Levels sind so designed, dass der Taktik-Anspruch voll zum Tragen kommt. Nach sechs Stunden findet man „Battlefield 3“ richtig geil. Aber dann das: Der Abspann flimmert über den Schirm. Was? Das war’s schon? Ach, was meckern wir eigentlich: Kurze Storys sind wir ja mittlerweile gewohnt.

Na, dann eben ab in den Mehrspieler, in dem maximal 24 Spieler loslegen. Der ist ohnehin das Herzstück und fesselt langfristig an die Konsole bzw. den Rechner. Das erste, was uns ins Auge springt: der Koop-Modus. Wer jetzt denkt, er könne die gesamte Kampagne, mit einem Freund durchspielen, irrt. Der Koop-Modus bietet sechs gesonderte, unabhängig von der Hauptstory stattfindende Aufträge, in denen die Spieler im Team agieren müssen.

Langzeitbeschäftigung

Abgesehen davon bietet „Battlefield 3“ Multiplayer-Modi von der Stange. Das ist aber nicht negativ zu werten, denn unterm Strich sind Modi wie Team-Deathmatch, Eroberung, wo ihr Flaggen halten müsst, und der Rush-Modus, bei dem ihr ein gut besetztes Gebäude von den Verteidigern erobert, taktischer Anspruch auf ganz hohem Niveau. Die neun Karten wurden komplett auf strategisches Vorgehen getrimmt und fordern das dank der vier sich gegenseitig ergänzenden Klassen (Sturmsoldat, Pionier, Aufklärer und Versorger) ständig ab.

Rangabzeichen liefern seit jeher Ansporn in Multiplayer-Modi. So auch in „Battlefield 3“. Es ist schlicht und ergreifend fesselnd und motivierend zugleich, seine Klasse durch Erfahrungspunkte im Rang aufsteigen zu lassen, da man mit der Zeit immer stärkere Waffen und Granaten freischaltet. Eine weitere taktische Komponente im Online-Spiel bieten die unzähligen Fahrzeuge, wie Panzer und Hubschrauber – hier bekommen nicht nur alte Battlefield-Veteranen feuchte Hände.

Wow, grafisch erste Sahne!

Technisch ist „Battlefield 3“ allererste Sahne. Die Frostbite Engine 2 arbeitet sauber, auch stimmen die Animationen, Explosionseffekte und Fahrzeugmodelle. Die Mimik der Charaktere ist solide, hätte aber durchaus aufwendiger ausfallen dürfen. Wir empfehlen allen Xbox 360-Besitzern auf alle Fälle, die optionale Installation durchzuführen. Die frisst zwar 1,5 GByte eurer Festplattenkapazität, rentiert sich aber und verwöhnt das Auge deutlich mehr, als wenn ihr die Installation links liegen lasst. Habt ihr die weniger als zehn Minuten dauernde Installation über euch ergehen lassen, werdet ihr mit hübscheren Texturen verwöhnt, da die Informationen direkt von der HDD gestreamt werden. So wird das visuelle Niveau auf eine Stufe mit der PS3 gehievt. Leichtes Tearing ist aber trotzdem zu vernehmen, was vor allem im Multiplayer-Modus sauer aufstößt. Die PC-Fassung hängt die Konsolenversionen in Sachen Detailtiefe und Texturqualität aber trotzdem meilenweit ab.

Fazit:

Mein Gott, ist „Battlefield 3“ geil! DICE setzt die Messlatte nicht zuletzt dank seiner pompösen Inszenierung ganz schön hoch. Das Battlefield-Feeling ist zurück. Und das besser als je zuvor. Dennoch sind es auch bei „Battlefield 3“ wieder die üblichen Wewehchen, die an der Spielspaßwertung kratzen: Zum einen die magere Spielzeit von sechs Stunden, zum anderen die kleinen KI-Aussetzer. Ja, in diesem Krieg scheinen nicht alle Soldaten und Rebelleneinheiten im Waffenkundeunterricht aufgepasst zu haben. Auch der oftmals strikt an Konventionen festhaltende Shooter-Part steckt nicht unbedingt voller Innovationen. Letzteres allerdings als schlecht zu bemängeln, wäre unfair. Die Kampagne ist inszenatorisch wirklich sehr gut umgesetzt und von seiner Erzählweise her deutlich linearer und damit verständlicher als wie etwa in „Modern Warfare 2“.

Spätestens aber wenn man den langfristig motivierenden Multiplayer-Modus spielt, wird man sich kaum noch von der Konsole losreißen können. Dank der freispielbaren Ränge seid ihr hier über Wochen, nein gar Monate beschäftigt. Hier spielt Entwickler DICE seine Asse voll und ganz aus!


Dieser Spieletest wird bereitgestellt von gamers.de, ein kompetentes und tagesaktuelles Magazin, das seit 1998 unabhängig und fachkundig, plattform- und genreübergreifend über das Thema Video- und Computerspiele berichtet.
otacon, Wednesday, 23/11/11 08:56
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Battlefield 3 in der ESL
PS3-Bereich auf Consoles.net
Test auf gamers.de
Xbox360-Bereich auf Consoles.net
 
comments (20)
 
 
Ja aber wer kauft sich ganz ehrlich Battlefield 3 wegen der Singleplayerkampagne?
süß :D
:D
Die Singleplayerkampagne von Battlefield 3 is voll fürn Ar*** !
Na, dann eben ab in den Mehrspieler, in dem maximal 24 Spieler loslegen. Der ist ohnehin das Herzstück und fesselt langfristig an die Konsole bzw. den Rechner.

:o warn des nich 64? ;)
Ja es waren 64 bzw. sind 64 ;)
nice story
ich habe kein SP mehr gespielt seit dem ich 16 bin, glaube ich :D

Den einzigen SP den ich gespielt habe war mal Call of Juarez^^
verdi wrote:
Na, dann eben ab in den Mehrspieler, in dem maximal 24 Spieler loslegen. Der ist ohnehin das Herzstück und fesselt langfristig an die Konsole bzw. den Rechner.

:o warn des nich 64? ;)


Die 24 beziehen sich auf die Konsolenfassung, mehr können die nämlich nicht.
Es ist schon lange nicht mehr schwer CoD zu übertreffen !
Schreiben irgendwie immer irgendwelche Leute unter die News, egal um welches Spiel es sich handelt ;)
hab früher cod gezockt.. cod1, cod2 und cod4 sind geil. alles neue ist leider nicht halb so gut daher zock ich auch bf3 :P istn mega spiel und kampagne ist genauso geil
Call of Duty toppt NICHTSu[]u
call of duty wird nahezu von allem getoppt was kommt :D

im prinzip darf man nur cod2 und cod4 call of duty nennen da alle weiteren fortzsetzungen irgendein armes experiement darstellen, mehr geld zu verdienen

bf3 wird'n hammer game, aber mal ehrlich!

Was toppt schon cod4?
1 edits
Hoppsler wrote:
Call of Duty toppt NICHTSu[]u


Doch BF3! :)
awa gemma Starcraft 2 zocknnn das game fickt eh alles :D
I can kite ur mom wrote:
Hoppsler wrote:
Call of Duty toppt NICHTSu[]u


Doch BF3! :)


+1
Dieser Test klingt nicht wirklich "unabhängig" sondern gekauft...
gamers.de wrote:
und der Rush-Modus, bei dem ihr ein gut besetztes Gebäude von den Verteidigern erobert


aha..
+1
 
 
 
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